DIE HEXE MAREN SPLIDS (SPLIID)
Am 9. November 1641 wurde Maren Splids auf den Galgenhügeln bei Ribe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Maren war eines der letzten und das wohl bekannteste dänische Opfer der Hexenverfolgungen.
Zwischen 50.000 und mehreren hunderttausend wurden überall in Europa als Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
In Dänemark begannen die Hexenverfolgungen so richtig nach der Reformation 1536 und dauerten bis ins 17. Jahrhundert an, wo die Pest und unzählige Kriege große Teile des Landes verwüsteten und ein großer Teil der Bevölkerung verarmte.
Die arg bedrängte Bevölkerung brauchte Sündenböcke.
Jetzt, wo man sich seine Absolution nicht bei der katholischen Kirche erkaufen konnte, konnte man es ja mit der Behauptung versuchen, man sei dazu verhext zu sündigen. Auf die Weise kam man selber ungestraft davon und konnte doch noch erlöst werden.
Aufgrund der unzähligen Kriege im 17. Jahrhundert verarmte ein großer Teil der Bevölkerung.
In einer Gesellschaft mit großen sozialen, politischen und religiösen Veränderungen waren besonders die ärmeren Gruppen ökonomisch, sozial und ideologisch arg bedrängt und brauchten Sündenböcke.
Besonders Frauen wurden wegen Hexerei angeklagt und verurteilt – und insbesondere arme, ältere. Für sie war es schwer, das tägliche Brot zu beschaffen, und deshalb mussten sie zu allen Mitteln greifen. Sie überwarfen sich aus diesem Grund auch oft mit ihren Nachbarn und anderen Einwohnern ihrer Stadt, und wo die Männer ihre Konflikte in der Regel mit physischer Gewalt lösten, benutzten die Frauen ihren Mund. Sie drohten ihren Gegnern vielleicht mit allem Unglück dieser Welt, und wenn dann wirklich irgendein Unglück eintraf - ja, dann waren diese Frauen ein sicheres Opfer für die Hexenverfolgung.
Maren Splids war keine typische Hexe, denn sie war eine wohlhabende und respektierte Bürgersfrau in Ribe. Sie war mit dem Schneidermeister Lauritz Splids verheiratet und leitete geschickt das Wirtshaus in dem Haus, das Lauritz in der Sønderportsgade besaß.
Maren war eine selbstsichere Dame, und es gab sicherlich viele, die der Meinung waren, dass Maren etwas sanfter und fügsamer sein solle.
1637 wurde ihr vom Schneider Didrik Skrædder, der vielleicht auf den Geschäftserfolg von Lauritz Skrædder neidisch und über seine eigene Unfähigkeit frustriert war, vorgeworfen, sie sei eine Hexe. Er behauptete, drei Frauen seien nachts zu ihm gekommen. Zwei von ihnen habe er nicht gekannt, die dritte jedoch sei Maren gewesen. Sie hätten ihn festgehalten, und Maren hätte sich auf ihn gelegt, seinen Mund aufgerissen und ihm in den Hals gepustet. Danach sei Didrik krank geworden und habe einen merkwürdigen lebendigen Klumpen in eine Schüssel erbrochen. Dieser Klumpen wurde zum wichtigsten Beweis gegen Maren.
Der Klumpen Erbrochenes wurde allen gezeigt - auch Ribes oberster Behörde, dem Lehnsmann Gregers Krabbe auf Riberhus. (Das vornehmste Grabmal im Dom zu Ribe ist übrigens für ihn und seine Frau errichtet.) Die Pfarrer und der Bischof der Stadt wurden zusammengerufen, und alle waren der Meinung, dass der Klumpen nicht natürlich sein könne. Eine Hexe müsse ihr Spiel treiben.
Maren kam vor Gericht, aber es gelang Lauritz Splids einstweilen, eine Einstellung des Verfahrens gegen seine Frau zu erreichen. 1639 hatte Didrik jedoch mehr Zeugen herbeigeschafft und sich direkt an König Christian den IV. gewandt, der sich selbst sehr mit Hexen beschäftigte (er meinte, sie hätten ihm sowohl im Krieg als auch daheim geschadet). Christian der IV. war der direkte Anlass zur Verurteilung von Maren Splids. Er übergab den Fall umgehend an seinen Lehnsmann Krabbe in Ribe, wo er in der Stadtversammlung erneut verhandelt wurde. Maren Splids wurde verurteilt, kurz danach jedoch vom Ratsstubengericht in Ribe freigesprochen. Der Fall wurde nun bei Dänemarks Oberstem Gericht eingeklagt, wo der König das Richteramt innehatte. Christian der IV. ließ Maren in den „Blauen Turm“, den berüchtigten Kerker von Kopenhagen bringen, wo sie - trotz des Folterverbots für Gefangene vor deren Verurteilung -gefoltert wurde und gestand. Maren denunzierte in ihren Geständnissen eine ganze Hexenkompanie, u.a. die Krüppel-Anna. Am Tag nach dem Urteil wurde Maren Splids auf dem Galgenhügel in Ribe im Beisein so vieler Leute auf dem Scheiterhaufen verbrannt, dass sich ihr Pfarrer kaum zu ihr durch die Menge drängen konnte. Sie hatte eine halbe Kanne Met zur Stärkung erhalten und zur schnelleren Herbeiführung des Todes ein Lot Pulver auf den Rücken gebunden bekommen. Danach wurde sie an eine Leiter gebunden und in die hohen Flammen gestürzt.
In der Zeit von 1572 bis 1652 gab es in Ribe zwölf Hexenprozesse. Als Anna Bruds am 7. April 1652 verbrannt wurde, war sie die Letzte.
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